Jerusalem - entlang der Via Dolorosa

Die Vorbereitung

Zugegeben, diese Reise entsprang einer sehr spontanen Entscheidung! Kurz mal nach einer halben Flasche köstlichem Chardonnay "Jerusalem wäre doch auch mal einen Weekend-Trip wert" in die Runde geworfen, und schwups war der Flug nach Tel Aviv gebucht! Es blieben ganze 3 Wochen, um uns ein wenig ins Thema einzulesen, dabei haben uns diverse Webseiten geholfen. Sehr zu empfehlen ist zum Beispiel der Blog von Anja, mit Geheimtipps der Israelin Paule Rakower. Eine hervorragende generelle Quelle für Reisen nach Israel ist zudem die äusserst informative Seite israelmagazin.de.

"Wir beantragen einen Warnhinweis auf Weinflaschen: der Genuss dieses köstlichen Rebensafts kann zur exzessiven Umsetzung spontaner Reisepläne führen!"

Wir stöbern vor einer Reise auch immer sehr gerne in Buchhandlungen, dieses Mal hat uns der folgende Reiseführer für unsere Zwecke am meisten überzeugt:

Reiseführer Jerusalem

DuMont Direkt Jerusalem: mit grossem Cityplan

Dieser sehr kompakte aber trotzdem extrem informative Reiseführer war unser ständiger Begleiter in Jerusalem. Besonders praktisch ist die herausnehmbare Karte mit einer vergrösserten Ansicht der Altstadt, eine unverzichtbare Orientierungshilfe im unübersichtlichen Gewirr der engen und verwinkelten Gassen der alten Quartiere! Auch im Vorfeld der Reise war das Buch eine inspirierende Lektüre mit den wichtigsten Informationen in Kurzform, die dann zur vertieften Recherche im Internet animierten.

Diesen Reiseführer kann man z.B. bequem hier bei Amazon bestellen. Eine Liste weiterer interessanter Literatur zu Jerusalem findest Du hier.

Exit Permit Israel

Eine der wichtigsten Fragen, die wir uns als Weltenbummler im Vorfeld der Reise gestellt haben, war diejenige nach dem israelischen Stempel im Pass. Es kursieren die wildesten Gerüchte, ob ein solcher tatsächlich in diversen Ländern zur Verweigerung der Einreise führen kann oder nicht. Wie dem auch sei, es ist schlicht irrelevant! Denn bei einer Einreise nach Israel bekommt man keinen Stempel mehr in den Pass gedrückt, sondern man erhält nur noch einen kleinen Zettel als Entry Permit, der bis zur Ausreise aufbewahrt werden muss und der auch bei Einkäufen vorgelegt werden sollte, sofern man beabsichtigt, sich die Mehrwertsteuer bei der Ausreise zurückerstatten zu lassen. Aber keine Angst, liebe Stempel- und Souvenirjäger: auch bei der Ausreise gibt es wieder ein Exit-Zettelchen, das dann als Andenken mit nach Hause genommen werden darf...

"Hiobsbotschaft für Stempeljäger: in Israel gibt's bei der Einreise nur noch ein Zettelchen in den Pass...!"

Tag 1 - Yad Vashem Gedenkstätte

Nach der Ankunft auf dem Ben Gurion Flughafen haben wir uns eigentlich auf eine längere Wartezeit und intensive Befragungen durch die strengen israelischen Einreisebehörden gefasst gemacht, doch wider Erwarten verläuft die ganze Prozedur sehr rasch und problemlos, auch wenn wir - wieder mal - bei weitem nicht die schnellste Warteschlange vor den freundlichen Immigration-Officers erwischt haben.

Unsere Recherchen im Vorfeld der Reise ergaben, dass sich eine Weiterreise vom Flughafen nach Jerusalem wohl am Besten mit der Bahn bewerkstelligen lassen würde, und so begeben wir uns nun den Weg zum Bahnhof. Und in der Tat erweist sich diese Option als super! Alle halbe Stunde fahren Züge in nur 24 Minuten nach Jerusalem, noch öfter auch in lediglich ca. 16 Minuten ins Zentrum von Tel Aviv. Fahrpläne und alle wichtigen Infos dazu findet Ihr auf der Webseite der "Israel Railways".

ABER ACHTUNG: die Züge verkehren am Freitag (Beginn des Sabbats) NICHT! Dann muss man sich wohl oder übel auf langwierige Verhandlungen mit den toughen hiesigen Taxifahrern einlassen, um einen einigermassen vernünftigen Preis für die ca. 45-minütige Fahrt nach Jerusalem auszuhandeln (dieser sollte nicht höher als ca. 200 Shekel liegen). Eine Alternative wäre der Bus, was allerdings eine doch ziemlich zeitraubende Option ist, nicht zuletzt wegen dem nicht sehr zentral gelegenen Bus-Bahnhof in Jerusalem.

"Wer am Freitag vom Flughafen Tel Aviv nach Jerusalem fahren will, muss sich auf zähe Verhandlungen mit der Taxifahrer-Mafia einstellen, da dann keine Züge fahren."

Villa Brown Boutique Hotel

In Jerusalem angekommen machen wir uns zu Fuss auf den Weg zu unserem Hotel, dem fantastischen Villa Brown Boutique Hotel, das sich in einer restaurierten Villa aus dem 19. Jahrhundert befindet. Das Hotel ist sehr zentral im Herzen Jerusalems gelegen und besticht durch seine charmante Kombination aus alter Bausubstanz und modernem Design. Speziell zu erwähnen sind der romantische Whirlpool auf dem Hoteldach, den man nach Voranmeldung eine Stunde lang privat nutzen darf, und das fantastische Frühstück, das äusserst stilvoll im gemütlichen Wintergarten serviert wird und keine Wünsche offen lässt.

Weitere tolle Hotels in Jerusalem findest Du hier.

Halle der Namen, Yad Vashem Memorial, Jerusalem

Nach einer kurzen Stärkung machen wir uns dann mit der Stadtbahn (es gibt nur eine Linie) auf den Weg zum Yad Vashem Memorial nahe bei der Endstation Mount Herzl. Es handelt sich um die weltweit bedeutendste, an die nationalsozialistische Judenvernichtung, den Holocaust, erinnernde Gedenkstätte. Sie besteht aus verschiedenen, über das ganze Gelände verteilten Abteilungen, am Besten beginnt man den Besuch mit dem Museum zur Geschichte des Holocaust. Wir mieten für den Rundgang für 30 Shekel einen Audio-Guide, was sehr zu empfehlen ist. Die Ausstellung ist riesig, und da ist es doch wesentlich angenehmer, die Unmenge an Informationen über den Kopfhörer vermittelt zu bekommen, als die unzähligen, ausführlichen Texte lesen zu müssen. Man kann problemlos mehrere Stunden im Museum verbringen, die Ausstellung ist hervorragend und eindrücklich gemacht. Wir müssen allerdings nach ca. 2.5 Stunden unseren Rundgang etwas beschleunigen, denn irgendwann wird alles zu deprimierend, und wir haben das dringende Bedürfnis nach ein wenig frischer Luft! Wer mehr über die Gedenkstätte erfahren möchte, dem sei die Webseite des Yad Vashem Memorials wärmstens ans Herz gelegt!

"Wohl werden eher Rabbis und Imame auf dem Tempelberg ein Spanferkel braten als dass die Yad Vashem Kantine von Michelin zum nächsten Gourmet-Tempel erkoren wird...!"

Es ist Zeit für eine Stärkung, also rein ins einzige Restaurant der Gedenkstätte, das doch ein wenig an eine Kantine eines mittleren Stahlbauunternehmens erinnert! Aber auch wenn es wohl wahrscheinlicher ist, dass sich die Führer der diversen Weltreligionen auf dem Tempelberg zu einem Barbecue treffen, als dass die Yad Vashem Kantine jemals einen Michelin-Stern aus der Nähe sieht, so ist doch das Personal absolute Spitzenklasse! Jedenfalls die fantastische Dame an der Kasse, die uns mit einem von Herzen kommenden "You are beautiful, you are beautiful, you are beautiful!" begrüsst! Selten hat wohl jemand so schnell und nachhaltig ein Lächeln auf unsere Gesichter gezaubert wie sie!

Denkmal für die Kinder, Yad Vashem Memorial, Jerusalem

Nach diesem kulinarischen Intermezzo ist es dann an der Zeit für eine Erkundung des restlichen Geländes der Gedenkstätte. Besonders hervorzuheben von den verschiedenen Denkmälern sind das Tal der Gemeinden und die Kindergedenkstätte. Vor allem Letztere beschert uns zum Abschluss unserer Tour einige emotionale Momente! Das Denkmal erinnert an die von den Nationalsozialisten ermordeten 1.5 Millionen Kinder, deren Namen, Alter und Geburtsort von einem Tonband abgespielt werden, dessen Endlosband ca. 3 Monate braucht, um alle Namen wiederzugeben! Im Inneren des unterirdischen Raums brennen 5 Kerzen, die über zahlreiche Spiegel in der Dunkelheit so reflektiert werden, dass der Eindruck eines unendlichen Sternenhimmels entsteht. Gänsehaut-Feeling pur!

Tag 2 - Die Altstadt

Altstadt von Jerusalem mit Felsendom

Der zweite Tag in Jerusalem beginnt mit einem ausgiebigen israelischen Frühstück mit diversen Käsesorten, Joghurt und Milchdesserts, leckerem Hummus, Obst, Gemüse und Salaten, Fisch und Eiern. Am Frühstückstisch kommt auch nochmals die Diskussion auf, ob wir für den heute geplanten Besuch der Altstadt einen Guide engagieren, oder doch auf unseren Orientierungssinn und unseren Reiseführer vertrauen sollen. Wie eigentlich fast immer entscheiden wir uns am Schluss doch für die individuelle Variante, wir schätzen die damit verbundene Freiheit und Flexibilität einfach zu sehr! Frisch gestärkt nehmen wir die rund 10 Minuten Fussmarsch zum Jaffa-Tor in Angriff, wo wir zuerst ein Ticket für den "Ramparts Walk" kaufen, einem Spaziergang auf dem nördlichen Teil der Stadtmauer. Von oben hat man faszinierende Blicke auf das christliche und muslimische Viertel Jerusalems, und erhascht auch einen ersten Blick auf die goldene Kuppel des Felsendoms, die wie eine aufgehende Sonne aus dem grau-braunen Einheitsbrei der übrigen Häuser der Altstadt hervorsticht.

"Es gibt wahrscheinlich kaum einen Ort auf der Welt, an dem man auf so kleinem Raum auf so viele Gegensätze trifft!"

Via Dolorosa, Jerusalem

Obwohl man die Stadtmauer bis zum Löwentor im Osten der Altstadt begehen könnte, verlassen wir sie am Damascus-Tor und tauchen ein in das geschäftige Gewusel des muslimischen Viertels mit seinen unzähligen Marktständen, orientalischen Gerüchen und konstantem Lärmpegel der lautstark ihre Ware anpreisenden Händler. Schon bald treffen wir auf die Via Dolorosa, die den Leidensweg Christi an 14 Stationen nachzeichnet. Der Start liegt beim Löwentor, genauer gesagt am Sockel der zerstörten Burg Antonio, wo Jesus' Todesurteil von Pontius Pilatus verkündet wurde. Hier bereuen wir zum ersten Mal leicht, dass wir keinen Guide engagiert haben, denn das Finden der einzelnen Stationen erweist sich trotz detaillierter Karte als grössere Herausforderung, da praktisch keine Beschilderung vorhanden ist (kann man verstehen, muss man aber nicht...). Aber Herausforderungen sind dazu da, gemeistert zu werden, und so klappern wir brav die Stationen 1 bis 8 des Kreuzweges ab, bevor uns dann ein kleines Hüngerchen packt und wir im armenischen Restaurant im Innenhof des armenisch-katholischen Patriarchats einen kleinen Imbiss zu uns nehmen. Obwohl nur ein paar Meter von der hektischen Via Dolorosa entfernt herrscht hier eine erfrischende Ruhe, und auch das Essen - obwohl nicht unbedingt von Paul Bocuse inspiriert - schmeckt durchaus.

betende Juden an der Klagemauer, Jerusalem

Nach dieser kleinen Stärkung zweigen wir von der Via Dolorosa ab und machen uns aus Zeitgründen auf Richtung Klagemauer, wollen wir doch später den Zeitslot von 13:30 bis 14:30 nutzen, um auf den mystischen Tempelberg zu gelangen. Da sich die Situation am Tempelberg jedoch von einem Tag auf den anderen ändern kann empfiehlt es sich, sich vor einem Besuch auf der Webseite von iTravelJerusalem über die aktuellen Öffnungszeiten und allfällige Zugangsbeschränkungen zu informieren.

Auf dem Weg zur Klagemauer werden wir zum ersten Mal mit den extremen Sicherheitsvorkehrungen in dieser Stadt konfrontiert. Zugang erhält man nur, nachdem Taschen und Rucksäcke geröntgt wurden und man erfolgreich den Metalldetektor passiert hat, was in unserem Fall doch mit gewissem Stress verbunden ist... "You beep, Sir" muss ich mir gefühlte 27x anhören, bevor sich der gelangweilte Sicherheitsmann dann doch dazu bequemt, der Quelle des Gepiepses mit dem Handscanner auf den Grund zu gehen, ohne dabei allerdings mehr als ein Kaugummi-Papierchen zu entdecken! Aber auch dies meistern wir mit Bravour, und so stehen wir kurz danach vor der imposanten westlichen Mauer des Tempelbergs, einem der heiligsten Orte für alle Juden! Hier verrichten Männlein und Weiblein wie sich's offenbar gehört brav nach Geschlechtern getrennt ihre Gebete und stecken kleine Zettelchen mit ihren Fürbitten zwischen die Steine des Mauerwerks. Auch für nicht-jüdische Touristen ist der Zugang erlaubt, den Herren der Schöpfung jedoch nur, falls der Hinterkopf züchtig mit einer Kippa bedeckt wird. Diese werden von der Western Wall Foundation kostenlos zur Verfügung gestellt, es ist also nicht nötig, sich an einem der zahlreichen Marktstände mit einer solchen auszurüsten. Solltest Du aber trotzdem bestens vorbereitet nach Jerusalem reisen wollen, kannst Du Dir hier bereits vor der Reise wunderschöne Kippas besorgen.

"Beim Zugang zur Klagemauer reicht selbst der Gedanke an ein Stück Alufolie, damit der hypersensible Metalldetektor einen halben Tobsuchtsanfall bekommt!"

Felsendom auf dem Tempelberg, Jerusalem

Schliesslich wird es Zeit, sich in die Schlange für den Zugang zum Tempelberg einzureihen, also verlassen wir den gesicherten Bereich der Klagemauer und begeben uns zum Fusse der Holzrampe, die am südwestlichen Ende des Tempelbergs den einzigen Zugang für "Ungläubige" darstellt. Aber Oh Schreck, da scheinen ja noch ein paar andere Touris dieselbe Idee gehabt zu haben! Die Schlange ist um 13:00 bereits enorm lang, und wir lassen uns beinahe entmutigen, erscheint es doch völlig aussichtslos, dass wir es innerhalb des einstündigen Zeitslots durch die strengen Sicherheitskontrollen schaffen. Doch ein Guide mit ein paar italienischen Kunden beruhigt uns und meint, dass es sehr zügig vorangehen sollte, sobald die Tore mal geöffnet sind. Also stellen wir uns, ausgerüstet mit zwei Flaschen Wasser, in die pralle Sonne und hoffen, dass der nette Herr Recht hatte. Und tatsächlich, Punkt 13:30 kommt Bewegung in die Menschenmassen, und ca. 15 Minuten später haben wir den Metalldetektor erfolgreich (und erstaunlicherweise ohne Gepiepse!) passiert und stehen auf der Holzrampe hoch zum Tempelberg, wo wir die Gelegenheit für ein paar weitere tolle Fotos der Betenden an der Klagemauer nutzen.

Oben angekommen muss zuerst noch die Kleiderordnung hergestellt werden, erscheinen doch den strengen muslimischen Sittenhütern die paar modischen Löcher in Yara's Jeans als zu frivol, um einen dermassen heiligen Ort bedenkenlos betreten zu können! Das ausgeliehene Tuch, das elegant um die Hüfte gebunden nun sämtliche unzüchtige Gedanken provozierenden Hautpartien an den Oberschenkeln erfolgreich abdeckt, ist glücklicherweise farblich perfekt auf den Rest des Outfits abgestimmt, so dass auch die Souvenir-Fotos bestens gelingen sollten! Was uns hier als erstes auffällt sind die hohen Sicherheitsmassnahmen auf diesem Hügel, der wie kein zweiter Ort auf der Welt ein hochbrisanter Brennpunkt religiöser Streitigkeiten ist. Überall stehen schwer bewaffnete Sicherheitskräfte, und die wenigen jüdischen Familien, die den Tempelberg besuchen, können dies nur unter strengem Geleit tun und werden fast wie Herdentiere auf genau definierten Pfaden und in hohem Tempo über den Tempelberg gescheucht. Kleine Notiz am Rande: es ist auch keine gute Idee, sich hier auch nur in minimalster Weise zu Zeichen der Zuneigung füreinander hinreissen zu lassen, die gestrengen Sittenwächter schreiten sofort ein und verhindern, dass die Heiligkeit dieses Ortes durch solch skandalöse Unsitten beschmutzt wird!

"Wehe der modebewussten Dame von Welt, die sich in Jeans mit auch nur mikroskopisch kleinen Löchlein an den Sittenwächtern am Eingang des Tempelbergs vorbeischleichen will!"

Exakt um 14:30 werden wir dann nachdrücklich und unmissverständlich zum Verlassen des Tempelbergs aufgefordert, was nun über jeden der Zugänge möglich ist. Und so tauchen wir wieder ein ins Gewühl des muslimischen Viertels, überwältigt von den Eindrücken und dem Gefühl an diesem sehr speziellen Ort!

im Inneren der Auferstehungskapelle, Jerusalem

Weiter geht unsere Tour durch das jüdische Viertel, wo wir uns plötzlich in einer anderen Welt wähnen. Wie weggeblasen ist die bisherige Hektik in der Altstadt, und so nutzen wir dies für eine kurze Pause und einen Kaffee. Danach geht's weiter mit einem kurzen Abstecher ins armenische Quartier Jerusalems, um dann wieder zurück ins christliche Viertel einzutauchen, wo unser letztes Ziel für heute die imposante Grabeskirche ist, eines der grössten Heiligtümer der Christenheit. An dieser Stelle soll Jesus gekreuzigt worden sein, und hier soll er auch begraben worden sein.

Betende Christen am Salbungsstein in der Grabeskirche, Jerusalem

Nach dem Betreten des Gebäudes fallen als erstes die Gläubigen auf, die in voller Demut und Schulter and Schulter gedrängt rund um den rötlichen Salbungsstein knien, und ihn gemäss uraltem Ritual mit einem weissen Tuch abwischen. Hier soll Jesus nach seinem Tod gemäss der Überlieferung gesalbt worden sein, der heute verehrte Stein stammt allerdings vermutlich aus dem frühen 19. Jahrhundert. Der weitere Rundgang durch die Kirche führt durch ein wahres Labyrinth zahlreicher kleinerer und grösserer Kapellen, von denen vor allem der Golgathahügel mit dem römisch-katholischen Kreuzannagelungsaltar und dem griechisch-orthodoxen Kreuzigungsaltar beeindrucken. Hierbei handelt es sich um den Platz, an dem Jesus gekreuzigt wurde, eine hervorragende Darstellung der ursprünglichen Topographie dieses Ortes findet sich hier auf Wikipedia.

Nach längerem Überlegen überwinden wir uns schliesslich doch noch dazu, uns in die endlos scheinende Schlange vor der Grabeskapelle im Zentrum der Rotunde zu stellen, 14. und letzte Station des Kreuzweges, in deren Inneren sich der überlieferte Ort des Grabes Jesu befinden soll. Nach rund einer Stunde Anstehen ist es endlich soweit, ich werde von einem eher dubiosen Mönch an der Grenze zur Aufdringlichkeit betätschelt und schliesslich werden wir in den Vorraum, die sogenannte Engelskapelle, gelassen, von wo aus wir uns durch einen engen, ca. 1m langen Durchgang in den eigentlichen Grabraum zwängen. Fotografieren ist hier leider nicht erlaubt, und wir haben kaum Zeit, um diesem heiligen Ort in gebührender Andacht Ehre zu erweisen, denn bereits nach wenigen Sekunden werden wir vom auch hier anwesenden Mönch schon wieder freundlich aber bestimmt hinausgescheucht.

"Die Atmosphäre in der mystischen Grabeskirche jagt selbst hartgesottenen Agnostikern einen Schauer über den Rücken!"

Mit reichen Eindrücken versehen und zugegebenermassen auch in spiritueller Hinsicht ein wenig beeindruckt machen wir uns schliesslich auf den Rückweg ins Hotel, um die müden Beinchen ein wenig hochzulagern und im Whirlpool bei einem Glas Champagner zu entspannen! Den Abend lassen wir im sympathischen Restaurant Chakra bei einem hervorragenden Essen und einem feinen Glas israelischen Chardonnay ausklingen.

Tag 3 - Heimreise und Nachbetrachtung

Nach 2 hochgradig faszinierenden Tagen in diesem Schmelztiegel religiösem Aktivismus heisst es leider schon wieder Abschied nehmen von Jerusalem! Wie auf der Hinreise entscheiden wir uns für den Zug, um zum Flughafen Tel Aviv Ben Gurion zu gelangen.

ACHTUNG: es passiert schon mal, dass der Bahnhof wegen zu grossem Andrang kurzzeitig geschlossen wird und man auf den nächsten Zug warten muss! Also entweder rechtzeitig am Eingang sein, oder ein bisschen Puffer für die Reise einrechnen.

Am Flughafen angekommen müssen wir zuerst mal auf einen Shuttle-Bus umsteigen, um zum richtigen Terminal zu gelangen, und auch hier gilt es, genügend Zeit einzurechnen! Der Bus kurvt gefühlt durch halb Israel, bevor er endlich an seinem Ziel ankommt! Aber wenigstens steigt dabei die Spannung, was uns denn bei den berühmt-berüchtigten Befragungen durch das israelische Sicherheitspersonal denn erwarten mag! Voller "Vorfreude" begeben wir uns zur sympathisch wirkenden jungen Dame, die sich gleich zu Beginn fast schon leicht verlegen entschuldigt, dass nun ein paar intime Fragen folgen werden! Was allerdings Fragen zum Namen und Wohnort des Vaters, der Distanz zwischen unseren Domizilen, dem Namen des letzten Hotels oder wie lange wir uns schon kennen zur Sicherheit des Flugverkehrs und des allgemeinen Wohlbefindens Israels beitragen, entzieht sich leider unserer Erkenntnis! Wir scheinen auch nicht alle Fragen zur vollsten Zufriedenheit der Dame beantwortet zu haben, vor allem unsere letzte Reise nach Istanbul scheint gewisse Aufmerksamkeit erregt zu haben, was dazu führt, dass Yara in den Genuss einer sehr intensiven Sonderbehandlung beim Security Check kommt! Wenigstens ist sie danach nach dreimaliger Kontrolle durch wechselnde Beamte absolut sicher, dass sich der schon lange vermisste Haargummi definitiv nicht in ihrer Handtasche befindet!

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